Yasimin




Belletristik aller Art

Yasimin

Beitragvon jupp » So 30. Dez 2018, 18:28

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YASIMIN
oder: das Multikultidurcheinander

Gestern gestalteten meine Freundin und ich uns einen ausgesprochen vergnüglichen Abend. Es war nicht das erste Mal, dass wir so gut drauf waren. Die Yasimin mit den grünen Mandelaugen, meine Freundin, eine ganz rassige mit Migrationshintergrund und bemerkenswertem Vordergrund ohne spezifische Herkunftsmerkmale, trug mit ihrem natürlichen Brauchtum ein ordentliches Scherflein zum Gelingen bei. Bevor es allerdings mit dem gemütlichen Teil losging, haben wir eine gewisse Anzahl sehr ernsthafter Fragen ausgetauscht.
„Yasimin“, fragte ich mit ganz wenig Vibrato in der Stimme im Verlauf unseres sozialen Kommunikationsprozesses, „mal ehrlich, ganz im Vertrauen, macht es euch Frauen da unten keine Probleme, wenn ihr dauernd kleine Kopftuchmädchen in die Welt setzt?“ Am Ende dieser Frage blickte ich Yasimin ganz tief in die grünen Mandelaugen; das nahm sie zustimmend zur Kenntnis, was ich daraus schloss, dass sie diese nicht schloss.
„Nee“, Yasimin antwortete ohne das geringste Grinsen ihrer Mimik beizumischen, „du bist so bescheuert wie ein Vorstand der Bundesbank. In Anatolien kommen die kleinen Mädchen ohne Kopftuch zur Welt.“
„Ohne Kopftuch?“ fragte ich ungläubig, „erzählst du mir auch kein Märchen vom fliegenden Teppich, wenn du mir sagst, dass ihr da unten in Anatolien ganz normal seid?“
„Nee, ganz normal nicht, Nee“, Yasimin begann, mir zärtlich die Nackenhaare zu kraulen, was ich zustimmend zur Kenntnis nahm, denn ich hielt geduldig still, „wir haben ein großes Problem, das ihr Biodeutschen nicht habt. Unsere süßen Jungs kommen da unten mit goldenen Kettchen um den Hals und die Handgelenke und wahnsinnig viel Pomade im Haar zur Welt. Das tut höllisch weh.“ An dieser Stelle konnte die Rassige ihr Lachen nicht mehr an sich halten und prustete los. Da begriff ich.
So ging unser ernsthafter Gedankenaustausch nahtlos in den ausgesprochen vergnüglichen Teil des Abends über.
"Wahre Satire verletzt nicht - sie tötet."
Lec
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