... Gut und Böse
Wer ist gut und was ist böse? Dieser Frage geht Sir Brixelot in seiner kleinen Kolumne nach, denn oft scheint klar zu sein, welche Seite *gut* und welche Seite *böse* ist.
Nun gilt er, Axel Cäsar Springer, der Zeitungsverleger, seit den Unruhen 1967 und dem Tod von Benno Ohnesorg, als der Buhmann schlechthin. Den Zeitungen des Axel Springer Verlages wird seither nachgesagt, dass sie in der Medienlandschaft zentraler Dreh- und Angelpunkt von Hetzkampagnen und Manipulationen sind. Die bekannteste Tageszeitung dieses Verlages ist die „Bild“. Ja, genau, die, die keiner kauft, geschweige denn liest, die aber täglich mehrere Millionen Auflage hat. Zum 100. Geburtstag des erfolgreichsten Verlegers Deutschlands im Mai bemüht sich die mediale Öffentlichkeit um mehr Differenzierung der Persönlichkeit Springers. Jetzt wird Axel Cäsar Springer auch schon mal *Visionär* und *Der Widersprüchliche* genannt und seine Liebe zu Israel erwähnt.
Diese Liebe des umstrittenen Verlegers wird medial besonders hervorgehoben, als der Dichter Günther Grass sich im April erlaubt zu sagen, „Was gesagt werden muss“. Grass als Buhmann? Aufgrund dieses umstrittenen Grass-Gedichtes tritt Anfang Mai der Dramatiker Rolf Hochhuth aus der Akademie der Künste aus, mit der Begründung: „Ich weigere mich zwischen Antisemiten zu sitzen." und Mitte Mai wird auf der Jahresversammlung der Schriftstellervereinigung des PEN-Zentrums Deutschland beschlossen, dass Grass Ehrenpräsident bleibt. Die offizielle Begründung für diese Entscheidung bezieht sich auf die Freiheit des Wortes, der man sich verschrieben habe. Hochhuth als Buhmann?
Auch bei der Verleihung des Henri-Nannen-Preises 2012 verwischen die Grenzen von gut und böse. Diese Auszeichnung gilt als wichtigster deutscher Preis für Qualitätsjournalismus. Die Jury entschloss sich neben drei Journalisten der „Süddeutschen Zeitung“ auch zwei „Bild“-Reportern diesen Preis in der Kategorie *Investigation* zu verleihen. Die Journalisten der „Süddeutschen“ sollten die Auszeichnung für ihre Berichte über die BayernLB im Zusammenhang mit der Formel 1 verliehen bekommen. Die „Bild“-Reporter wurden für ihre Recherche und Publikationen über den Privatkredit des Bundespräsidenten Wulff geehrt. Die Journalisten der „Süddeutschen“ lehnen ihre Auszeichnung ab, weil sie sich den Preis nicht mit einem Boulevard-Blatt teilen wollten. So wurde nur ein Preis in dieser Kategorie verliehen, nämlich an die „Bild“-Reporter, denn, so die Begründung der Jury, es werde die investigative Leistung geehrt und nicht das Medium. Damit schließt sich der Kreis! Investigativer Journalismus vs. Boulevard-Journalismus? „Bild“-Reporter als die Guten?
Auch wenn das Schwarz-Weiß-Denken zweifarbig aussieht, ist es dennoch eindimensional. Da hält Sir Brixelot es doch lieber mit Brecht: „Mir ist jede Farbe recht, Hauptsache sie ist grau.“
Und schön kritisch bleiben, meint Sir Brixelot!
