Emma Huber schreibt Erotik




Belletristik und Lyrik aller Art

Emma Huber schreibt Erotik

Beitragvon jupp » Sa 12. Sep 2015, 20:23

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EMMA HUBER
schreibt Erotik


„Der populäre Roman, den das Publikum gesund nennt, ist immer ein ungesundes Produkt; was das Publikum einen ungesunden Roman kennt, ist immer ein schönes und gesundes Kunstwerk. Vielleicht tue ich dem Publikum unrecht, wenn ich seinen Wortschatz auf Ausdrücke wie ‚unmoralisch’, ’ unverständlich’ und ‚ungesund’ beschränke. Es gibt noch eines, das sehr beliebt ist: ‚dekadent’. Ein lächerliches Wort, wenn es auf ein Kunstwerk angewendet wird. Denn was ist Dekadenz anderes als eine Seelenstimmung oder ein Gedankengang, den man nicht formulieren kann? Das Publikum ist dekadent, denn es kann für nichts einen Ausdruck finden. Der Künstler ist nie dekadent, denn er findet für alles eine Form.“
Oscar Wilde


Im kryptophilen Idiom der Fachidioten liegt uns ein luzider Fall einer Abderitation, befallen von parametaphysischer Transzendenz, als Betrachtungsobjekt vor. Dass sich der Fall auf Acheuléen ereignet, erschwert ihn nicht – trägt eher nicht unerheblich zu dessen Verständnis bei –, weshalb in ganz normalem Deutsch gesagt werden kann, dass diese Erzählung von einer Phase im Leben der Emma Huber berichtet. In diesem Lebensabschnitt wollte sie, die sich seit sie in die mittleren 50-er vorgerückt war und ihre Tochter das Haus verlassen hatte, zur Schriftstellerin berufen fühlte, einen Roman im Pidgin der oratorisch brunzenden Slipauszieher auf den Sozialplattformen des Internet schreiben. Das Werk sollte sehr erotisch sein, weil in ihm vom Beischlaf einschließlich der diesen begleitenden Rituale und Sekrete mehrfach die Rede sein würde. Mithin für den Unterrichtsgebrauch an Schulen (mit Ausnahme des „Typs Odenwald“, die die Verwechslung von Freiheit und Missbrauch zum Pflichtprogramm der Freizeitgestaltung hat) denkbar ungeeignet ist. Auf diese Produktidee einer inkommensurabel defäkierenden Tittenfummelei als Ausdruck einer anthropotransgenierten Exaltation aus der Zoosphäre auf dem Niveau eines geistigen Fußgängers kam Emma Huber durch die Lektüre eines Threads einer einschlägigen Gruppe auf einer Sozialplattform des Internets – sie hat die Pflege und Vermehrung von Literatur auf ihre Fahnen geschrieben, ist de facto jedoch nur ein Auslieferungslager für die pubertär-infantilen Rülpser von ausgeschwitzten Mäusekegeln, ein Unterschied, der Emma nicht geläufig ist. Dort expertete eine aphrodite62, mit „erotischer Kunst“ (womit sie die primitiven Ferkeleien im Internet meinte, die mit Erotik so viel zu tun haben wie eine WC-Reiniger mit der Gourmet-Küche) könne man ins Fernsehen kommen und von Günter Jauch interviewt werden. Weil nämlich (Zitatanfang) „die Verlägen so irgendwie sozusagen Geflegtes mit Forliebe veröfentlichen tun“ (Zitatende). Die Schreiberin aphrodite62, unschwer ist erkennbar, dass sie zu jenen bedauernswerten Geschöpfen gehört, die etwas langsam mit den ihnen von der Natur spärlich zugeteilten Reflexen umgehen, berief sich bei dem Nachweis ihrer Expertise darauf, sie sei zu derartiger Einsicht in den Büchermarkt durch einen Artikel im „GOLDENEN STUSS“ gekommen und motiviert worden, darüber zu schreiben. Dort wurde der Erfolg von Flachsinn aller Art im Fernsehen ausführlich dargestellt, was sie tief beeindruckt habe und mit einer langen Fotostrecke wurde belegt, dass moderne Schriftstellerinnen mit Werken der Kategorie „Der gläserne Unterleib“, worunter sie plumpes Unterleibsgeschwurbel gleich dem blubbernden Substrat dehydrierter Lakritzschnecken verstehen, einen super Markterfolg wegen der hohen Auflagen von Erotik haben, weil diese das pralle Leben beschreibt. Solche Schreibereien fördern die Überlegung, dass sie eigentlich so blödsinnig und überflüssig sind, wie ein großes Loch im Kopf der Darstellerin in einem Porno.

Bereits anhand dieser Einleitung kann der Leser leichten Sinnes erraten, was heißt erraten, er kann sich dessen sicher wie die hohe Quote für ‚Deutschland sucht die dümmste Supertitte’ und das Jodeln der Allgäuer Wildbuam sein, dass es sich bei Emma Huber, mit dem Namen kommt Gewissheit in den aufgekeimten Verdacht, ihr Alter erreicht hat, ohne dass ihr Haltbarkeitsdatum abgelaufen wäre, wenn auch die schweren Wunden, die ihr das Leben schlug, deutlich ganzkörperlich ablesbare Spuren an ihr – innen und außen – hinterlassen hat. Dieser Befund wird nicht dadurch in seiner Faktizität erschüttert, dass Emma Huber, kausaliert durch eine Bauchehe vor 36 Jahren, sich mit Fridolin Huber im hl. Zustand der katholisch gesegneten Ehe befindet. Ein deutsches Schicksal, so deutsch wie Blut- und Leberwurst neben einer tüchtigen Portion Kesselfleisch auf einer Schlachtplatte.

Doch ich geriete schon wieder aus meinem Wege, wenn ich mich auch noch Fridolin Huber zuwendete. Emma bietet doch genug Stoff.
Diese machte sich frohgemut ans Werk. Sie plante, wie eine richtige Schriftstellerin zu recherchieren, bevor sie sich ans Schreiben mache. Um sich zu informieren – ihr eigener Erfahrungshorizont war infolge des sehr traditionell katholischen Ehelebens sehr begrenzt -, was man mit den Pipimachern so alles machen kann, machte sie sich zur Vorbereitung an die Lektüre von 28 „Erotikromanen“ auf ihrer Lieblingssozial-Plattform und exzerpierte die besten Stellen als Ideensammlung. Es handelte sich hierbei um Texte hinter einem Cover, das in Riesenlettern – der BILD nicht unähnlich – die Aufschrift „NUR FÜR ERWACHSENE“ trägt. Dadurch können pubertierende Jugendliche und Erwachsene, die über den Zustand der Pubertät nicht hinausgekommen bzw. in die Infantilität regradiert sind, auf einen Blick feststellen, dass sich die Lektüre lohnt, weil sie sich auf dem Niveau, auf dem sie sich selbst befinden, bewegt. In ihm wird nämlich mit Worten dargelegt, was im Bereich der bildenden Kunst die Rhyparographen beim Verteilen von Farben auf einem Maluntergrund mit Hilfe eines Pinsels erreichen.
Nach der Lektüre der ersten 11 Werke mit dem immer gleichen Rein – Raus hatte sie schon gelernt, dass heiße Frauen keine Unterwäsche tragen, das gehört offenbar zum Repertoire des erotischen Schreibens wie der Kümmel zum Quark. Konsequent wie eine Emma sein kann, zog sie daher am nächsten Morgen nach dem Frühstück ihre Unterhose aus. Dann machte sie sich am abgeräumten Esstisch an das Pensum der täglichen Lektüre. Stunde um Stunde wartete sie untenherum mit gläsernem Unterleib, dass sie heiß würde. Vergeblich. Als Fridolin gegen 11.00 Uhr in die Küche kam, um das erste Bier aus dem Kühlschrank zu holen, stellte sie fest, dass er – entgegen den Gepflogenheiten in den Büchern – keine Beule als Anzeichen einer beginnenden, dreidimensional sich abzeichnenden Erektion in den engen Jeans hatte, obwohl sie untenherum nichts anhatte. Fridolins Hosen war offensichtlich kein harter Schwanz inkorporiert, der später einer feuchten Möse adhädiert werden wollte. Da war sie schwer enttäuscht gleich einem Oberprimaner bei seinem ersten Puffbesuch, wenn es unter nachdrücklichen Handeinsatz der Dame ruck-zuck geht, post coitum. Zu dieser Negativreaktion kam es, weil Emma nicht bedachte, dass die Natur Fridolin keinen großen Prahlhans angehängt hatte und Fridolin zudem nie enge Jeans trug. In ihrer Enttäuschung ging Emma ins Schlafzimmer, zog ihre Unterhose wieder an und machte sich ans Kochen. Es gab an jenem Tag Frikadellen und Bratkartoffel. Diejenigen Leser, die sich im Naturalismus des 19. Jahrhunderts, gewürzt mit einer starken Prise von mystischem Symbolismus auskennen wie Jogi Löw mit dem Direktpass im modernen Fußball, werden in dem bisherigen Lesemartyrium von Emma exemplarisch eine enigmatische Exzessivität im Strindbergschen Sinn erblicken. Damit haben sie gewisslich zu Teilen Recht, wenn auch zum Hauptteile nicht, denn es handelt sich um den Verbrauch mehrerer widerwärtiger Popel, den die Infantilhalluzinationen von Internetdeformierten der Öffentlichkeit zum Fraß vorwerfen.
Am 23. Arbeitstag stieß Emma in ihrer Lektüre auf eine exotische Neuerung, von ihr unbemerkt war sie zum Geheimnis des Schöpferischen vorgedrungen, denn der Held des Romans ist an der gleich zu zitierenden Stelle in das ausgeleierte Presswerk einer professionellen Liegendentsafterin geraten. Ein Schriftsteller sprach in seinem Werk an einer Stelle, an der Emma klassischerweise eine feuchte Möse erwartet hatte von einem „zuckenden Lustloch“. Da war sie ratlos. Mit dem Begriff konnte sie nichts anfangen, zudem enthielt der Duden keine Erläuterung des ihr Unbekannten. Auch in ihrem Gedächtnis fand sie keinen Hinweis darauf, dass ihr ein solches Ding bekannt war. Sie zerbrach sich nicht weiter den Kopf, sondern warf die exzerpierte Stelle in den Papierkorb.

Geschafft! Am Nachmittag des 30. Tages war Emma Huber mit ihrer Recherchearbeit zum Ende gekommen, sie hatte alle 28 Romane gelesen. Dennoch saß sie recht unfröhlich auf ihrem Küchenstuhl und betrachtete ziemlich ratlos ihre 3 Leitzordner mit den Beschriftungen „Brustwarzen“, „Mösen“ und „Schwänze“. Die enthielten säuberlich geordnet die Exzerpte der erotischen Stellen, die ihr Anregungen für ihr eigenes Werk geben sollten. Sie hatte 382 harte Brustwarzen im Doppelpack, 288 harte Schwänze, die in 266 feuchte Mösen hineingesteckt wurden, gefunden. Sonst war da nichts. Warum auch sollten richtige Schriftsteller für das immer gleiche Rein – Raus noch mehr sprachliche Varianten entwickeln?
Ratlos wie sie war suchte sie Rat bei Fridolin. „Was soll ich nun Sinnvolles mit meinen gesammelten Stellen anfangen?“ In diesem Augenblick trat eine bittere Träne aus ihrem trauernden Auge – es war das rechte -, da sie in diesem Moment von einem hydrophobatischen Kniekehlenjuckreiz arg gequält wurde.
„Sinnvolles?“ Fridolin schnaufte und verfiel in tiefes Sinnen. „Sinnvoll, Emma, wäre nur das Eine, bring Deine Leitzordner zum Papercontainer.“

Es gibt noch kluge Männer in diesem, unseren Land.
"Wahre Satire verletzt nicht - sie tötet."
Lec
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